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Erfahrungsbericht II

Erfahrungen aus meiner Arbeit mit alten, schwerkranken und sterbenden Menschen

Die letzten 12 Jahre habe ich als Diakon in der Bugenhagengemeinde Nettelnburg gearbeitet und bin im Jahre 2000 mit 65 Jahren in den Ruhestand gegangen . Danach wollte ich noch etwas Nützliches tun und so absolvierte ich eine Ausbildung zum Seniorenbegleiter beim Freiwilligen Zentrum Hamburg. Zur Ausbildung gehörte ein Praktikum, das ich im Altersheim Philipps machen konnte, Da habe ich erfahren ,wie wichtig ehrenamtliche Begleiter in der Seniorenarbeit sind. 2002 bin ich in den neu gegründeten Verein „Hospiz in Bergdorf e.V.“ eingetreten und habe mich dort in den Jahren 2005 und 2006 zum Sterbebegleiter ausbilden lassen. Die halbjährige Ausbildung war informativ und zu Herzen gehend, einfach gut. In meiner Tätigkeit als Begleiter sterbender Menschen habe ich viel Positives erfahren.

Allerdings tauchte in den drei zu beschreibenden Fällen ein Problem auf, das ich schildern und erläutern möchte.

Im ersten Fall ging es um einen jüngeren Mann. Er hatte Krebs. Alle Menschen, die ihn behandelten und pflegten, wussten, wie krank er war. Nur er selber wollte davon nichts wissen und sprach nur davon, dass er bald entlassen würde. So auch bei meinem ersten Besuch. Als ich das zweite Mal bei ihm war, bat er mich, ihm etwas vorzulesen. Er sagte, das Vorlesen hätte ihm gut getan, ich hatte den Eindruck, dass es ihn sehr angestrengt hat. Als ich zum dritten Mal zu ihm kam, war er im Krankenhaus und schon nicht mehr ansprechbar. Kurz darauf war er gestorben.

Beim zweiten Patienten fand das erste Gespräch im Beisein der Ehefrau statt, wobei wir uns gegenseitig vorgestellt und bekannt gemacht haben. Dabei informierte mich die Ehefrau über den Zustand ihres Mannes. Beim zweiten Besuch hab ich die Frau vertreten, damit sie nach Geesthacht fahren konnte ,um die Einweisung ins Hospiz vorzubereiten. In der dritten
Woche war er schon im Hospiz und ist wenige Tage danach dort auch verstorben.

Im dritten Falle diente der erste Besuch dem Kennenlernen. Beim zweiten Besuch entwickelte sich im Gespräch ein gutes Vertrauensverhältnis. Auch die Angehörigen fühlten sich deutlich entlastet durch meinen Einsatz, zumal sie berufstätig waren. Schon in der dritten Woche starb der Mann, so dass ich die Begleitung nicht fortsetzen konnte.

Aus solchen Erfahrungen können wir nur den Schluss ziehen, dass das, was wir leisten können, nicht genug bekannt ist und die Menschen sich oft zu spät an uns wenden, wenn ein Angehöriger so krank ist, dass er vorhersehbar bald sterben wird. Vielleicht spielt auch die Angst vor dem Begriff HOSPIZ mit beim Zögern, unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das wäre schade.

Wir, das heißt alle Begleiterinnen und Begleiter des Hospizdienstes Bergedorf, sehen unsere Aufgabe in zwei Bereichen: Wir möchten besonders dem Sterbenden Entlastung, Beistand, Trost und Hilfe geben. Und wir bemühen uns ebenso intensiv darum, die pflegenden Angehörigen zu entlasten, indem wir da sind, wenn sie eine Pause brauchen, eine Zeit für sich nutzen, einmal aus dem Haus gehen können, ohne ein schlechtes Gewissen oder Angst haben zu müssen.

Auch wenn die drei beschriebenen Begleitungen zu kurz waren, möchte ich all die Begleitungen, die ich gemacht habe, nicht missen! Man wird durch diese Tätigkeit und die Begegnungen immer wieder selber reich beschenkt, zumal, wenn man bei der Trauerfeier gemeinsam mit den Angehörigen Abschied nehmen kann.

4.2.2011